{"title":"Schmeckt garantiert nicht allen: Sounds Of A Playground Fading von In Flames","slug":"in-flames-sounds-of-a-playground-fading-review","url":"https://www.romanjasiek.de/in-flames-sounds-of-a-playground-fading-review/","published_at":"2011-06-15T16:43:00.000Z","updated_at":"2026-10-12T16:46:24.000Z","excerpt":"Nach dem Ausstieg von Songschreiber und Gründungsmitglied Jesper Strömblad und dem Wechsel zu einem anderen Plattenlabel fragte sich so mancher Fan: Quo vadis, In Flames? Die Antwort darauf liefert möglicherweise Sounds Of A Playground Fading, das aktuelle Album der Schweden. Aber eine Tatsache sollte jedem In-Flames-Hörer klar sein: Die einzige Konstante ist eine Variable.\n\nEines ist so sicher wie das Amen in der Kirche: Der neue Longplayer der Schweden wird mit Sicherheit nicht jedem Hörer gef","meta_description":null,"html":"<p>Nach dem Ausstieg von Songschreiber und Gründungsmitglied <strong>Jesper Strömblad</strong> und dem Wechsel zu einem anderen Plattenlabel fragte sich so mancher Fan: Quo vadis, <strong>In Flames</strong>? Die Antwort darauf liefert möglicherweise <strong>Sounds Of A Playground Fading</strong>, das aktuelle Album der <strong>Schweden</strong>. Aber eine Tatsache sollte jedem <strong>In-Flames-Hörer</strong> klar sein: Die einzige Konstante ist eine Variable.</p><p>Eines ist so sicher wie das Amen in der Kirche: Der neue Longplayer der <strong>Schweden</strong> wird mit Sicherheit nicht jedem Hörer gefallen. Vor allem der „früher war alles besser“-Fraktion nicht. Alles wie immer also? Sicherlich: Mit Weichspülerpop haben wir es hier nach wie vor nicht zu tun. So mancher Song ist immer noch das volle, metallische Brett mitten ins Gesicht. Das Kantholz quasi, das als Gedächtnisstütze dabei behilflich ist, sich darauf zu besinnen, dass wir es hier nach wie vor mit einer Metal-Band zu tun haben. Auch wenn der Gesang von Sänger <strong>Anders Fridén</strong> mitunter viel klarer herüberkommt als auf früheren Werken. Und auch wenn <strong>In Flames</strong> den Synthesizereinsatz auf diesem Album deutlich nach oben geschraubt und bei der Gelegenheit die, nun ja, Ohrwurmquote noch einmal gesteigert haben. Möglicherweise muss das so sein, wenn man das Attribut „Modern Metal“ nicht ohne Berechtigung mitführen möchte. Zusätzlich: Die meisten Songs dieses Albums verfügen über eine so eingängige Hookline (s.&nbsp;o.), dass sich Leute, die <strong>In Flames</strong> unterstellen, inzwischen zu „Kommerz-Schweinen“ mutiert zu sein, womöglich gegenseitig bestätigend auf die Schultern klopfen.</p><p>Na und? In der Geschichte der Band wurde der musikalische Stil von <strong>In Flames</strong> so oft modifiziert, dass man im Prinzip bei einem angekündigten neuen Album nie wusste, was kommen wird. Lediglich ein paar harte Fakten waren stets gegeben: Es wird metallisch sein, es wird demnach rocken – und es wird gut sein. So ist es auch mit <strong>Sounds Of A Playground Fading</strong>, dessen Trackliste eine enorm hohe Hymnenquote aufzuweisen hat. Gemeint sind Songs, die, wie bereits erwähnt, sich sofort in Gehörgänge und Gehirnwindungen festsetzen und dort auch so leicht nicht mehr zu entfernen sind. So zum Beispiel das vorab als Single ausgekoppelte <strong>Deliver Us</strong>, das selbst Nicht-Metaller ziemlich zügig zum Mitsummen animiert. Oder von mir aus auch <strong>Where The Dead Ships Dwell</strong>. Mag sein, dass <strong>In Flames</strong> damit auch diverse Neuzugänge in ihrer Hörerschaft verzeichnen können. Kommerz ist dennoch was anderes, denn für die meisten kommerziellen Radiostationen zum Beispiel ist <strong>Sounds Of A Playground Fading</strong> wohl noch immer zu hart. Und mal ganz unter uns, Freunde – spätestens seit Mitte der 90er Jahre sind <strong>In Flames</strong> irgendwie immer schon ein Stück weit „tüdelig“ gewesen. Davon ab: Jede Band verlässt irgendwann irgendwo irgendwie das ursprüngliche Territorium – warum sollte das bei <strong>In Flames</strong> nicht auch so sein? Und was zum Henker ist dagegen einzuwenden, wenn doch der ursprüngliche Sound modifiziert, nicht aber komplett über den Haufen geworfen wird?</p><p>Die Metalheads da draußen, denen die Musik nicht laut und hart genug, dafür aber so synthiearm wie möglich sein kann, denen ballern <strong>In Flames</strong> Tracks wie <strong>Enter Tragedy</strong> vor die bangende Birne. Alle anderen erfreuen sich an vielschichtigen, vielleicht manchmal eine kleine Spur zu verspielten Arrangements und an schickem Songwriting. <strong>Sounds Of A Playground Fading</strong> rangiert irgendwo zwischen <strong>Come Clarity</strong> und <strong>Soundtrack To Your Escape</strong> und ähnlich wie diese beiden Alben wird, das ist sicher, auch das neue Album nicht jedem schmecken. Für die einen ist es ein Brückenschlag zwischen vergangenen Tagen und einer unweigerlichen Veränderung (Weiterentwicklung?) der Band, für die anderen schlicht nichts, allenfalls zu wenig. Nicht zuletzt aufgrund des Tracks <strong>Liberation</strong>, den wohl so ziemlich jeder eher auf einem Alternative-Rock-Album erwartet hätte und der irgendwie nicht in das Gesamt-/Weltbild passen will. Ob es sich hier um eine experimentelle Laune oder einen Ausblick auf kommende Dinge handelt, das bleibt abzuwarten.</p><p>Kaum eine andere Band dürfte die Metal-Szene so polarisieren wie die <strong>Schweden</strong> von <strong>In Flames</strong>. Andererseits: Kaum eine andere Band wird wohl so oft ihren Stil modifiziert haben. Es gibt und gab schon immer einen groben Rahmen, der den Klangkosmos von <strong>In Flames</strong> absteckt und in dem die <strong>Schweden</strong> die Grenzen immer wieder neu ausloten. So auch dieses Mal. <strong>Sounds Of A Playground Fading</strong> ist ohne Zweifel ein großartiges Album geworden. Nicht das beste <strong>In-Flames-Album</strong> und ganz sicher auch nicht das schlechteste (so wie es mancherorts zu lesen ist), mit denen die <strong>Schweden</strong> ganz sicher neue Hörer gewinnen werden. Möglicherweise auch alte verlieren. Dabei kann man auf dem aktuellen Album Elemente nahezu jeder Schaffensphase der Band heraushören – wenn man denn möchte. Und was nun das sehr umstrittene <strong>Liberation</strong> angeht: Wenn jede Alternative-Rockband einen Song dieser Güteklasse fabrizieren würde, könnte man nur jubilieren. Ich jedenfalls hatte eine Menge Spaß mit dieser feinen Scheibe und bin sicher, sie wird noch das ein oder andere Mal in meinem CD‑Player rotieren.</p><figure class=\"kg-card kg-image-card kg-card-hascaption\"><img src=\"https://storage.ghost.io/c/90/34/9034555f-2939-4c04-8b42-89dcff4387d3/content/images/2026/10/inflames_soundsofaplaygroundfading.jpg\" class=\"kg-image\" alt=\"\" loading=\"lazy\" width=\"1417\" height=\"1417\" srcset=\"https://storage.ghost.io/c/90/34/9034555f-2939-4c04-8b42-89dcff4387d3/content/images/size/w600/2026/10/inflames_soundsofaplaygroundfading.jpg 600w, https://storage.ghost.io/c/90/34/9034555f-2939-4c04-8b42-89dcff4387d3/content/images/size/w1000/2026/10/inflames_soundsofaplaygroundfading.jpg 1000w, https://storage.ghost.io/c/90/34/9034555f-2939-4c04-8b42-89dcff4387d3/content/images/2026/10/inflames_soundsofaplaygroundfading.jpg 1417w\" sizes=\"(min-width: 720px) 720px\"><figcaption><span style=\"white-space: pre-wrap;\">© Nuclear Blast</span></figcaption></figure>","tags":["Musik"],"authors":["Roman Jasiek"],"feature_image":"https://storage.ghost.io/c/90/34/9034555f-2939-4c04-8b42-89dcff4387d3/content/images/2026/10/inflames_soundsofaplaygroundfading-1.jpg","archived_at":"2026-10-12T17:06:02.455Z"}